Corona: Informationen für drogengebrauchende Menschen und Beratungsstellen

Drogengebrauchende Menschen sind potenziell besonders gefährdet durch die derzeitige Situation rund um die Ausbreitung des neuen Coronavirus: Zum einen gibt es viele drogengebrauchende Menschen mit relevanten Vorerkrankungen, zum anderen sind drogengebrauchende Menschen im Allgemeinen besonders betroffen, wenn Beratungsstellen sowie Einrichtungen der Aids- und Drogenhilfe ihre Angebote einschränken und Besucherkontakte reduzieren oder sogar ganz aussetzen müssen. Zudem sind viele Drogengebrauchende darauf angewiesen, uneingeschränkt mobil zu sein, zum Beispiel um den täglichen Weg zur Substitutionsvergabe zu absolvieren. Deshalb ist es nun besonders wichtig, Schutzmaßnahmen zu ergreifen (erweiterte Safer-Use-Regeln) sowie Maßnahmen anzubieten, um Kontakte sowie Wege zu reduzieren (zum Beispiel erweiterte Take-Home-Verordnungen). Außerdem ist es nun unerlässlich, faktenbasierte Informationen zu teilen und Falschmeldungen nicht weiterzuverbreiten.

Anbei möchten wir auf einige Links hinweisen, die sowohl für drogengebrauchende Menschen als auch für Beratungsstellen hilfreich sein können [aktualisiert am 06.04.2020]:

Aktuelles

  • Infos für und von Menschen, die Drogen konsumieren: Der JES-Bundesverband hat nun das erste deutschsprachige Printmedium für drogengebrauchende Menschen zum Umgang mit Corona veröffentlicht (04.04.2020). Die Broschüre bietet kurze und präzise Hilfestellungen für drogengebrauchende Menschen und kann kostenlos über den Versand der Deutschen Aidshilfe bezogen werden.
  • Interview mit Dirk Schäffer, Referent für Drogen und Strafvollzug bei der Deutschen Aidshilfe, über die Auswirkungen der Viruspandemie auf Drogenkonsument*innen und die Gesundheitsversorgung in Gefängnissen (04.04.2020).
  • Aufruf zur Studienteilnahme an die ambulante Drogenhilfe: Das Centre for Drug Research und die Goethe-Universität Frankfurt am Main möchten herausfinden, wie sich die aktuelle Situation auf die Drogenszenen vor Ort und auf die Arbeit in der Drogenhilfe auswirkt. Die Informationen sollen möglichst niedrigschwellig, etwa per Text- oder Sprachnachricht vom Smartphone, zusammengetragen werden, und fortlaufend analysiert werden.
  • In Troisdorf und Bochum haben die ersten beiden Drogenkonsumräume in NRW schließen müssen (24.03.2020) (s. drogenkonsumraum.net). Die übrigen Drogenkonsumräume in NRW haben nach aktuellem Kenntnisstand den Betrieb aufrechterhalten, zum Teil mit reduzierten Konsumplätzen und/oder Öffnungszeiten (Stand 02.04.2020).
  • Stellungnahme der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Die DHS und ihre Mitgliedsverbände appellieren, hilfsbedürftige Menschen mit Suchterkrankungen auch und gerade in der von den Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus überschatteten aktuellen Situation adäquat zu versorgen und die Fachkräfte der Suchthilfe entsprechend auszustatten (30.03.2020).
  • Offener Brief der Deutschen Aidshilfe, des Aktionsbündnisses gegen AIDS und über 40 weitere n zivilgesellschaftliche Organisationen und Institutionen aus dem Gesundheitsbereich an den Corona-Krisenstab der Bundesregierung (26.03.2020). Die Verbände fordern besseren Schutz und den Zugang zu medizinischer Versorgung für Menschen in prekären Lebensverhältnissen, etwa wohnungslose Menschen, Menschen ohne Krankenversicherung oder ohne legalen Aufenthaltsstatus, und erwerbslose EU-Bürger*innen.
  • Pressemitteilung der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig zur Zahl der Menschen, die im vergangene Jahr an den Folgen von Drogenkonsum verstorben sind (24.03.2020). Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent gestiegen. Ludwig fordert eine flächendeckende Substitutitonsversorgung und appelliert, dass auch in der aktuellen Coronakrise substituierte Patient*innen nicht auf der Strecke bleiben dürfen.
  • Schreiben der Bundesdrogenbeauftragten an die substituierenden Ärzt*innen (23.03.2020).

Allgemeine Informationen

  • Corona – Information für Drogengebraucher*innen. Die Deutsche Aidshilfe, akzept, JES und JES NRW haben die wichtigsten Informationen auf einem einseitigen Infoblatt zusammengestellt. Wir bitten darum, dieses an alle interessierten Stellen zu teilen und in den Einrichtungen auszuhängen. 
  • Corona und Substitution: Hinweise der Konferenz der Vorsitzenden von Qualitätssicherungskommissionen der Kassenärztlichen Vereinigung an substituierende Ärzt*innen, ergänzend hierzu eine Handreichung der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS). Die Empfehlungslage ist deutlich dahingehend, Take-Home-Verordnungen auszuweiten. In Hamburg wurde bereits kurzfristige Hilfe bereitgestellt: Im Drob Inn, der Kontakt- und Beratungsstelle der Hamburger Jugendhilfe, wurde aus Mitteln des Hamburger Senats eine niedrigschwellige Substitutionsambulanz eigerichtet, die die Versorgung von Opiatkonsument*innen mit und ohne Krankversicherung unterstützt und bei Symptomen auch COVID-19-Tests bei den Nutzer*innen durchführt.
  • Corona und Drogen: Übersichtsseite der Deutschen Aidshilfe. Weitere regelmäßig aktualisierte Informationen der DAH finden sich hier.
  • Corona und Hepatitis: Nach aktuellem Stand stellt die Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Infektion an sich kein erhöhtes Risiko dar, möglicherweise kann aber eine fortgeschrittene Lebererkrankung zu einem erhöhten Risiko im Verlauf einer Corona-Infektion beitragen. Patient*innen mit Hepatitis B und C sollten weiterbehandelt werden. Sofern Kapazitäten vorhanden sind und Schutzmaßnahmen eingehalten werden können, besteht kein Grund, eine HCV-Therapie aufzuschieben. Die Deutsche Leberhilfe informiert fortlaufend zu besonderen Hinweisen zu Corona für Menschen mit Lebererkrankungen.
  • Corona und Beratung: Hinweise des Paritätischen Gesamtverbands, wie die Beratungsarbeit fortgesetzt werden kann.
  • Allgemeine Verhaltensempfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
  • Aktuelle Informationen des Robert-Koch-Instituts.
  • Sonderseite des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW, enthält tagesaktuelle Informationen zu allen Maßnahmen auf Landesebene.
  • Übersicht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, die spezielle Risiken für drogengebrauchende Menschen, Hinweise zur Sicherstellung der Angebote und eine europaweite Übersicht über Strategien und Leitlinien zusammenstellt und regelmäßig aktualisiert.
  • Soforthilfe der Aktion Mensch: Die Aktion Mensch hat ein 20-Millionen-Euro-Soforthilfeprogramm aufgelegt, mit dem Menschen in akuten Notlagen, die besonders von der Coronoakrise betroffen sind, unterstützt werden sollen. Dazu zählen Menschen mit Behinderung, Menschen mit chronischen Erkrankungen, wohnungslose Menschen und Menschen in sozialen Schwierigkeiten, die zum Beispiel vom Wegfall von Assistenzleistungen oder der Schließung von Lebensmittelhelfen betroffen sind.
  • mehrsprachige Informationssammlung rund um Corona der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung. Für Menschen ohne Krankenversicherung oder mit unklarem Versicherungsstatus hat die Deutsche Aidshilfe eine bundesweite Übersicht zu Clearingstellen bereitgestellt.